Jobsuche heute
Jobsuche mit wenig oder ohne Berufserfahrung
Von David OswaldStand
Kurz gesagt
Alle fangen mit einem leeren Werdegang an. Arbeitgeber, die Einstiegsstellen besetzen, wissen das. Sie suchen Hinweise darauf, dass du zuverlässig bist, schnell lernst und Dinge erledigst, und davon hast du wahrscheinlich mehr, als du denkst. Halte deinen Lebenslauf kurz, fülle ihn mit echten Beispielen und passe ihn an jede Stelle an.
Was gerade passiert
- Einstiegsstellen sind begehrt. Arbeitgeber in Großbritannien erhielten 2025 im Schnitt 140 Bewerbungen pro Stelle für Hochschulabsolventen, 2002/3 waren es noch 38 [1]. Bei Ausbildungsplätzen und Traineeprogrammen sieht es oft ähnlich aus.
- „Einstieg“ heißt nicht immer ohne Erfahrung. In Anzeigen stehen oft ein oder zwei Jahre Erfahrung. Lies das als Wunschliste. Wenn du die meisten Muss-Kriterien durch Studium, Projekte oder Nebenjobs erfüllst, lohnt sich die Bewerbung meistens.
- Erfahrung ist nicht nur bezahlte Arbeit. Berufsberaterinnen und Berufsberater empfehlen regelmäßig, Ehrenamt, Schul- oder Uniprojekte, Nebenjobs und Hobbys aufzunehmen, wenn sie passende Fähigkeiten zeigen [2].
Halte deinen Lebenslauf kurz
Mit wenig Berufserfahrung reicht meist eine Seite, und eine dichte Seite wirkt besser als zwei dünne. Eine klare Reihenfolge hilft:
- Name und Kontaktdaten. Telefon, E-Mail, Wohnort und, falls vorhanden, ein Link zu LinkedIn oder Xing.
- Ein Kurzprofil in zwei oder drei Zeilen. Was du suchst und was du mitbringst. „Abiturientin auf der Suche nach dem Einstieg im Kundenservice. Zwei Jahre Aushilfe im Einzelhandel am Wochenende, an volle Schichten gewöhnt.“
- Ausbildung. Setz sie weit nach oben, solange sie dein stärkster Abschnitt ist. Nenne passende Schwerpunkte, Projekte oder deine Abschlussarbeit.
- Erfahrung. Bezahlt, unbezahlt und ehrenamtlich, die neueste zuerst. Wenn du den Abschnitt „Erfahrung“ statt „Berufserfahrung“ nennst, passt alles ehrlich hinein.
- Kenntnisse. Konkrete Programme und Sprachen mit Niveau, keine Liste von Eigenschaften.
- Interessen, wenn sie etwas zeigen. Kapitän der Fußballmannschaft sagt mehr als „Freunde treffen“.
Was als Erfahrung zählt
Mehr, als du vielleicht denkst. All das kann einem Arbeitgeber etwas Echtes zeigen:
- Schule, Ausbildung und Studium. Gruppenprojekte, Referate, Abschlussarbeit, Laborarbeit, Praxissemester.
- Eigene Projekte. Eine Website, ein Podcast, ein kleiner Onlineshop, ein Programmierprojekt auf GitHub, die Schülerzeitung.
- Ehrenamt. Tafel, Sportverein, Jugendarbeit, Hilfe bei Veranstaltungen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Bundesfreiwilligendienst (BFD) zählt ebenfalls.
- Nebenjobs und Minijobs. Einzelhandel, Gastronomie, Lieferdienste, Nachhilfe, Babysitten. Dabei lernst du Zuverlässigkeit, Umgang mit Kundschaft und Arbeiten unter Zeitdruck.
- Pflege und Betreuung. Wer sich um Eltern, Geschwister oder ein Kind kümmert, braucht Organisation, Geduld und Urteilsvermögen. Eine Zeile reicht, und du entscheidest, wie viel du erzählst.
- Vereine und AGs. Kassenwart, Teamkapitänin, Organisation von Veranstaltungen, Mitglied in Band oder Chor.
Zeig Fähigkeiten mit echten Beispielen
„Kommunikationsstark“ und „teamfähig“ stehen in fast jedem Lebenslauf und sagen deshalb wenig. Ein kurzes Beispiel mit Ergebnis wirkt stärker. Probier dieses Muster: was du gemacht hast, wie, und was dabei herauskam.
- Statt „Kundenorientiert“ lieber „Pro Samstagsschicht rund 80 Kundinnen und Kunden in einer gut besuchten Bäckerei bedient und Beschwerden ruhig geklärt.“
- Statt „Organisiert“ lieber „Die Frühjahrsaufführung der Theater-AG geplant: Saal gebucht, ein Budget von 600 Euro eingehalten und 140 Karten verkauft.“
- Statt „Zuverlässig“ lieber „Drei Jahre lang nach der Schule meinen jüngeren Bruder betreut und dabei mein Abitur gemacht.“
Nenn nur Zahlen, hinter denen du stehen kannst. Eine ehrliche Schätzung („rund 80“) ist in Ordnung. Eine geratene Zahl, die wie ein Fakt aussieht, nicht.
Pass jede Bewerbung an
- Markier die Muss-Kriterien in der Anzeige. Meist sind es fünf bis acht.
- Such für jedes einen Beleg. Aus jedem Bereich deines Lebens, nicht nur aus Jobs.
- Sortier um und formulier neu. Die passendsten Beispiele nach oben, und nutze die Begriffe aus der Anzeige, wo sie für dich zutreffen.
- Schreib ein kurzes Anschreiben, wenn eines verlangt wird. Warum diese Stelle, warum dieser Arbeitgeber, und ein Beispiel, das zeigt, dass du es gut machen würdest.
Bleib ehrlich
Wenn die Seite dünn aussieht, ist die Versuchung groß, etwas aufzublasen. Lass es. Wer ein Schulprojekt „Beratungsmandat“ nennt oder eine Fähigkeit angibt, die er nie genutzt hat, fliegt im Gespräch schnell auf und riskiert später den Job. Ein schlichtes, wahres Beispiel schlägt ein beeindruckendes, das du nicht erklären kannst.
Lücken sind in dieser Phase auch normal. Prüfungen, Krankheit, Pflege oder die Jobsuche selbst brauchen keine langen Erklärungen. Eine Zeile reicht, wenn du etwas einordnen möchtest.
Deutschland und Großbritannien machen es unterschiedlich
- Deutschland: Der Lebenslauf ist meist eine übersichtliche Tabelle mit Monat und Jahr, oft mit einem kurzen Anschreiben. Ein Foto ist noch verbreitet, aber freiwillig, und nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dürfen Arbeitgeber dich nicht wegen Alter, Geschlecht oder Herkunft benachteiligen [6]. Praktika, Werkstudentenjobs, Minijobs, FSJ und BFD zählen alle als Erfahrung.
- Großbritannien: kein Foto, kein Geburtsdatum, kein Familienstand. Eine Seite ist zu Beginn völlig in Ordnung. Referenzen werden meist später angefragt, du musst sie also nicht aufführen. Apprenticeships sind ein anerkannter Einstieg mit bezahlter Ausbildung [3].
- Bewerbungen ins Ausland: Der Europass-Lebenslauf ist ein kostenloses, in der EU verbreitetes Format, auch wenn viele Arbeitgeber ein landesübliches Layout bevorzugen [7].
Kostenlose Schritte für diese Woche
- Schreib alles auf, was du in den letzten drei Jahren gemacht hast. Schule, Studium, Jobs, Ehrenamt, Pflege, Vereine. Markier dann die Beispiele, die eine gefragte Fähigkeit zeigen.
- Mach daraus deinen einseitigen Lebenslauf. Behalte eine Hauptversion und pass für jede Stelle eine Kopie an.
- Hol dir kostenlose Beratung. Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit ist kostenlos, auch für Schülerinnen, Schüler und Studierende [5]. In England hilft der National Careers Service kostenlos beim Lebenslauf [2].
- Füll eine Lücke mit Ehrenamt oder einem kleinen Projekt. Ein paar Stunden pro Woche bringen dir aktuelle, echte Beispiele, über die du sprechen kannst.
- Schau über die großen Jobbörsen hinaus. Ausbildungsplätze, Traineeprogramme, Praktika und die Karriereseiten von Arbeitgebern in deiner Nähe haben oft weniger Bewerbungen.
- Sprich mit Menschen. Frag Freunde, Familie, Lehrkräfte oder frühere Chefs, wie ihre Arbeit aussieht. Mehr dazu (auf Englisch): Getting in front of a person.
Wo BurntCV hilft
Der CV Builder von BurntCV stellt dir Fragen zu Ausbildung, Projekten, Ehrenamt und Nebenjobs und macht aus deinen Antworten einen klaren, kurzen Lebenslauf. Er nutzt nur, was du ihm erzählst, also wird nichts erfunden. Mit einer Freundin, einem Rotstift und diesem Ratgeber kommst du aber auch schon weit.
Quellen
- 1.
- 2.
- 3.
- 4.
- 5.
- 6.
- 7.
David Oswald
Founder, BurntCV
David Oswald has spent 25 years in learning and development, including in-house roles at Royal Caribbean, Talon.One, JRNI and Arts Alliance Media. He created BurntCV to give job seekers honest, practical feedback on their applications.